Rio de Janeiro, Brasilien *again*

Rio de Janeiro, eine gefährliche Schönheit.

Rio de Janeiro
Rio de Janeiro

Da war ich nun wieder. Zurück in der wunderschönen Stadt namens Rio de Janeiro. Zum zweiten Mal in Brasilien, diesmal aber mit einer besseren Vorbereitung. So habe ich mir ein Job gesucht in einem Hostel im Stadtviertel Estácio, wo ich für Kost+Logis+kleines Taschengeld gearbeitete, während ich mein Portugiesisch aufbesserte.
In den ersten Tagen konnte ich es ehrlich gesagt noch gar nicht wirklich glauben, dass ich wirklich wieder in Brasilien war.
Der Gedanke wieder nach Brasilien zu gehen kam mir gerade mal 8 Tage zuvor. Und nun war ich wieder da.

Mit als Hauptgrund nach Brasilien zu gehen anstatt in Portugal zu reisen, war für mich das brasilianische Portugiesisch, welches für mich einfach viel schöner und aber auch einfacher zu lernen ist.
Wie ich mir das finanziert habe? Nun da es mir nicht sehr schwer fällt zu sparen -selbst bei dem miesen Gehalt welches wir in Lissabon bekommen haben, ist es mir gelungen Geld weg zu sparen. Ich konnte es also entweder dafür ausgeben um in Portugal herumzureisen, oder mir davon ein Flugticket für Brasilien zu kaufen aber dann halt weniger zu reisen, und schauen das ich +/- Null dort lebe.

 

Pedra do arpoado
Pedra do arpoador- Hinter mir der Strand von Ipanema

Ich entschied mich für das 2- Brasilien.
Am liebsten wäre ich dieses mal in den Norden geflogen. Nach Recife, Fortaleza oder Salvador da Bahia, aber trotz das es sehr viel „näher“ an Portugal liegt, waren die Flüge nach Nordbrasilien sehr viel teurer. Und da ich mein Geld gut haushalten musste, ging es wieder nach Rio de Janeiro, welches die günstigsten Flüge hatte.

Den Job im Hostel hab ich ziemlich schnell gefunden über Couschsurfing. Ich habe dort einfach unter der Gruppe von Rio de Janeiro geschaut ob es dort welche gibt die Unterstützung für Hostels suchen ( es gibt viele!) und habe dort die Nachricht von dem Hostel entdeckt wo Ich dann war.

Im Hostel zu arbeiten ist immer eine sehr gute Möglichkeit um einige Zeit in einem Land zu bleiben ohne viel Geld ausgeben zu müssen, da man fast immer Kost und Logis für etwas Arbeit bekommt und manchmal auch ein kleines Taschengeld. Aber man sollte nicht zu viel erwarten. Denn Luxus kann man vergessen, der Sinn ist auch eher das man einige Zeit wo kostenfrei wohnen kann. Um das mal genauer zu veranschaulichen habe ich 2 Fotos rausgesucht welches das „Zimmer“ zeigen wo Ich geschlafen habe im Hostel.

Wie man sehen kann, ähnelt es eher an eine Gefängniszelle =D Aber es erfüllte seinen Zweck, da wir dort eigentlich wirklich nur geschlafen haben. Aber es kommt auch sehr drauf an, man kann richtig viel Glück haben mit seinem Zimmer oder.. halt nicht.
Nach einem kurzen Skype Gespräch mit der Chefin und der Zusagen das ich gerne kommen kann, hab ich mir sofort ein Flug gebucht. Da es jedoch sehr kurzfristig war, habe ich leider nicht gerade wenig bezahlt, aber das war es mir definitiv wert.

Als es die Runde unter meinen Kollegen und Freunden in Portugal machte, dass ich so ganz spontan nach Brasilien gehe, konnten es viele nicht glauben. Vor allem kam von vielen „wieder“ die Frage wie ich mir das denn finanziere. Nun meine Antwort war eigentlich simple. Ich habe in den letzten Monaten genau so viel Geld wie meine Kollegen verdient, aber anstatt es auf den Kopf oder sonst was auszugeben, habe Ich mir das Meiste beiseite gelegt um mir sowas finanzieren zu können.

Nachdem Ich nun bereits zum 8. mal den Atlantischen Ozean Richtung Lateinamerika überquert habe war ich also wieder in der Stadt des Sambas, dem Karneval und der schönen Strände abgekommen. Rio de Janeiro.

Im Hostel arbeiteten drei Personen plus eine Reinigungsfee. Es gab eine Frühschicht, und eine Nachtschicht. Und die 3. Person hat immer dann gearbeitet wenn eine von den anderen frei hatte.
Ich habe dann die Spätschicht übernommen, welche bislang Guillermo, ein Backpacker, aus Argentinien gemacht hat. Er war eigentlich nur auf Durchreise, wollte aber über die Zeit der Fussball WM in Rio de Janeiro sein, und arbeitete daher ca. 6 Wochen dort im Hostel.

Da ich nun da war um seine Schicht zu übernehmen, wollte er seine Reise weiter fortsetzen. Und um ehrlich zu sein, war es sehr komisch für mich, denn normalerweise bin ich immer die Person die geht und nun war es jemand anderes :)

Guillermo und ich hatten uns echt super verstanden. Wir waren einfach auf gleicher Wellenlänge. Und gerade das ist auch das interessante was ich mein Reisen immer wieder erlebe.

Ich habe schon so viele Menschen kennen gelernt. Einige von Ihnen haben mein Weg gekreuzt ohne Spuren zu hinterlassen, andere waren zu jener Zeit ein guter Freund, und andere haben sich in mein Herzen eingeprägt. Und nicht selten gibt es auch diejenigen die mich inspiriert haben.

Gleich in der ersten Woche die Ich dort war, habe ich waschechte Rio de JaneiroStraßenmusiker kennen gelernt. Sie kamen aus Argentinien, Brasilien und Frankreich, sind zusammen gereist und haben Straßenmusik gemacht. Super nette Leute! Und irgendwie haben Sie mich dazu inspiriert mich wieder mehr der Musik zu widmen.

Rio de JaneiroUnd da ich leider mein geliebtes Klavier nicht in meinem Rucksack stecken kann, dachte ich mir ich hole mir eine Geige. Ich wollte schon immer Geige lernen nur hatte ich noch keinen konkreten Gedanken wann Ich damit anfangen sollte. Aber als Sie mir erzählt haben, das Sie mit Ihrer Musik recht gut leben können und von einem zum anderen Ort fahren, dachte ich mir es sei vielleicht auch was für mich. Aber erstmal muss Ich dieses Instrument erlernen…

Ansonsten war es in Rio noch ziemlich gleich wie im letzten Jahr. Die Busfahrer fuhren also gäbe es kein Morgen mehr- und keine roten Ampeln. Sie sausten dermaßen durch die Kurven, dass ich manchmal echt dachte wir fliegen noch aus der Kurve und landen im Meer!
Man sah viele Menschen die auf der Straße leben von denen erzählt wurde, dass Sie während der WM nirgendwo zu sehen waren, um Rio ein anderes, „‚besseres“ Image zu geben. Für mich war es eher ein „verfälschtes“ Image. Wo die Menschen in der Zeit der WM waren ?… ich weiß es nicht. Aber es gibt Sie definitiv. Leider gibt es dort viel Armut und Kriminalität. Einmal hatte ich gesehen wie ca 4-5 Jungs einen Mann überfallen haben. Mitten am helllichten Tag, mitten in der Stadt. Und diese „Kinder“ haben einen echt Angst gemacht. Der Mann hat sich auch überhaupt nicht gewehrt, da er wohl wusste, das er keine Chance hätte. Man sagt das kriminelle Kinder oder auch Teenager meist sogar gefährlicher sind als erwachsene Kriminelle.

Manchmal sah man Menschen am Straßenrand liegen wo man sich nicht einmal sicher sein konnte ob Sie schlafen oder …was anderes. Bilder die man sich schlecht vorstellen kann, dort aber Realität und alltäglich sind.

Und dann gab es noch das total gegensätzliche Bild von Rio, welches in Copacabana und Ipanema ist.
Teure Geschäfte, teure Autos, viele Frauen die irgendwie „gestellt“ aussehen und kaum Obdachlose.


 

 

Favelas in Rio de Janeiro

Rio de Janeiro
Rocinha von Oben

Rocinha- eine der größten Favelas in Lateinamerika.

Es leben dort zwischen 62.000 und 250.000 Menschen!
Einmal war ich dort gewesen als wir Freunde besucht haben aus Italien, die dort mit den Kindern Volunteersarbeit geleistet haben.

Ein sehr komisches Gefühl eine solch große Favela zu betreten und auch wenn ich in der Welt zu Hause bin, mit meinem nordeuropäischen Aussehen falle ich immer als „Ausländerin“ auf, was nicht immer zum Vorteil ist. Denn diese wie auch viele andere Favelas hat einige gefährliche und einige „harmlosere“ Ecken. Mir wurde gesagt, es sei eher an den Grenzen zu den Bergen der Favela gefährlich, aber nicht dort wo wir waren. Aber aufpassen sollte man dennoch immer.

 

Rio de Janeiro
Lebon by night

Eine andere Favela wo ich ständig ein und ausging ist die Favela Videgal.
Eine sehr ruhige und -für mich- extrem sichere Favela direkt bei den Felsen „Morro Dois Irmãos am Ende des Strandes von Leblon.
Die Musiker die ich dort kennen gelernt hatte, haben sich dort ein kleines Haus gemietet und wohnten dort mit einer wundervollen Aussicht direkt auf’s Meer.


Da es die erste Favela war, die Ich jemals in meinem Leben betreten habe, hatte ich schon ein komisches Gefühl im Bauch.
Aber ich war nicht alleine und alles was mir meine Freunde gesagt haben wie sicher diese Favela doch sei, kann ich 100 % bestätigen. Selbst als wir nachts um 02:00 durch die Favela nach Hause gegangen sind, waren wir mit ein paar Nachtschwärmer, Hunden und Katzen wohl die einzigen auf der Straße Und dennoch, Polizisten waren immer überall. Vor einigen Jahren war diese Favela nämlich alles andere als Sicher. Aber dadurch das die Polizei, auch auf Grund der WM, viele Favelas gesäubert hat, wurde diese Favela zumindest viel sicherer.

Eine andere Favela die per Luftlinie bestimmt nur 2–3 km von dem Hostel liegt wo ich wohnte, ist die Favela São Carlos.
Dies ist wohl eine Favela in der Ich niemals in meinem Leben ein Fuß reinsetzen würde. Einerseits wurde mir von meinen Arbeitskollegen nicht viel Gutes über die Favela erzählt und andererseits, erinnere ich mich noch zu gut an ein Wochenende an dem ich Stunden über Stunden, Tag und Nacht nur Waffenschüsse aus der Richtung der Favela gehört habe da kam mir echt ein Schauer über den Rücken.

Es gibt noch unzählige andere Favelas in Rio Es sind rund 750! Favelas in denen über 1,3 Mio. Menschen leben. Vielen davon fehlt es an sanitäre Einrichtungen und Elektrizität. Viele dieser Favelas entstanden um 1960 als viele Menschen in die Stadt gezogen sind und sich am Rande der Stadt niederließen Das Wort Favela kommt eigentlich von einer brasilianischen Kletterpflanze, die sich wie die Favelas an den Bergen hoch klettert.

Da Rio ohne seine Favelas nicht Rio ist, sollte man auf jeden Fall einige Favelas sich anschauen, aber bitte: erkundigt euch vorher wo man ohne Bedenken hin kann, wo nur mit einem Guide und welche die Gebiete sind, welche unter allen Umständen gemieden werden sollten, da manche Viertel als gesetzlose Zonen gelten, und ausschließlich von kriminellen Banden kontrolliert werden.

Abgesehen von den Favelas gibt es so viel anderes zu Entdecken in Rio. Eine Sache die ich sehr empfehlen kann ist Pedra do Sal.

Rio de Janeiro
Pedra do Sal

Eine Straßenparty mitten in Rio de Janeiro und das jeden Montag. Mit Live Samba Musik, günstigen und sehr leckeren Streetfood und einer Menge gutgelaunter Menschen von überall taucht man in das wahre Leben der Cariorca ein. Es befindet sich im Stadtteil Saúde. Adress: Praça Mauá (near Largo de São Francisco da Prainha)  Uhrzeit: 7.30 pm

Ein anderes Highlight, welches für mich echt einmalig war, war der Trilha Dois Irmaos.  Zu deutsch, Wanderweg der Zwei-Brüder Felsen. Unterhalt ihnen liegt die Favela Videgal. Der Felsen ist zwar nicht der Höchste von Rio, aber alleine die Aussicht auf Rocinha und auf Rio de Janeiro entschädigt alles. Vor allem den Aufstieg wenn man nur zu Fuß geht. Man gelangt zunächst per Bus oder Taxi zum Eingang der Favela Videgal und kann sich dort dann ein Moto Taxi bis zum oberen Ende der Favela bringen lassen, oder man wandert den gesamten Weg durch die vielen verwinkelten Gassen der Favela per Fuß, wie ich es gemacht habe. Vorbei an den freundlichen Leuten, Hunde und Katzen bis man irgendwann „oben“ der Favela angekommen ist und es, im wahrsten Sinne des Wortes, ab durch den Regenwald geht. Er gehört zu dem Nationalpark Tijuca, welcher sich auf 40 Km² rund um Rio de Janeiro erstreckt.
Auf dem Weg nach oben gibt es einige sehr gute Aussichten auf die Favela Rocinha, welche von dort oben einfach zu friedlich und klein erscheint.
Da ich sehr spät dran war und es schon allmählich dunkel wurde, musste ich mich etwas beeilen, aber ich bereue es kein Stück, denn diesen atemberaubenden Sonnenuntergang und diese Aussicht den Ich erleben durfte als ich endlich angekommen war, war einfach perfekt.
Die gesamte Tour dauert ca. 3-4 Stunden und lohnt sich allemal.
Da ich in der Zeit wo ich in Rio war mich sehr auf das Portugiesische konzentriert habe, habe ich mir zwei Tandempartner gesucht. Eine von den beiden kam aus der Nachbarstadt Niterói, welche direkt gegenüber von Rio de Janeiro liegt.
Niteroi
Es ist eine komplett andere Stadt als Rio, aber doch so nah. Es leben dort viele Studenten, denn auch das normale Leben ist in Niteroi sehr viel günstiger als in Rio. Und sicherlich hat man von dort aus nochmal eine ganz andere Aussicht auf Rio de Janeiro, die es sich echt lohnt.

Zu anderen „Must See Places“ gehören unten den „Touris“ sicherlich auch der Pão de Açúcar (Zuckerhut). Aber da ich gerne mal andere Wege gehe als den „normalen typischen“, bin ich nicht mit der Bahn den Berg aufgestiegen sonder zu Fuß. Jedoch geht dies nur auf den kleineren Berg. Von dort aus muss man mit der Bahn fahren um direkt auf den Pão de Açúcar zu kommen. Aber dennoch lohnte sich der Weg zu Fuß, da man sehr viele Affen sieht die überall in den Bäumen hängen und Ihren Mittagsschlaf halten.

Eine andere Möglichkeit den Berg zu erkunden ( sollte man aber nicht unbedingt alleine machen) , ist um ihn herumzugehen. Rio de JaneiroAm Fuße des Berges, wo sich auch der Strand „Praia Vermelho“ befindet, (übrigens eines meiner Lieblingsstrände von Rio ) geht links ein Weg ab, welchen man geht um auf den ersten Berg aufzusteigen. Man kann aber den Weg auch einfach bis zum Ende weiter gehen bis man dieses Schild entdeckt:


Rio de Janeiro

Als ich dieses Schild entdeckt habe auf dem so viel steht wie das der Weg lebensgefährlich sei und man ihn nicht ohne einen erfahrenen Guide gehen sollte, kam bei mir wohl eher das Adrinalin und Abenteuergefühl auf, so das ich schnurstracks den Weg weiter gegangen bin. Lebensgefährlich würde ich den Weg nicht beschreiben, jedoch auch nicht ungefährlich da er sehr steil ist.

Aber auch hier wieder bekommt man eine wunderschöne Aussicht. Diesmal auf die Nachbarstadt Niteroi.

 

Andere Orte wie Santa Teresa oder die Christus Statur habe ich diesmal nicht speziell besucht, da ich beim ersten Mal schon dort gewesen bin. Dennoch gibt es immer wieder neue und interessante Sachen die diese Stadt so interessant machen. Aber nach fast 2 Monaten war meine Zeit nun auch zu Ende und ich plante eine kleine Reise die noch durch einige Städte Südbrasiliens gingen bis hin nach Buenos Aires.

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