Ein Auf und Ab in Buenos Aires

 

Mit das Schlimmste was einem im Ausland passieren kann, ist das man sein Portmonaise mit allen Bankkarten, Ausweisen und Kreditkarten verliert bzw. einem gestohlen wird.
Nun, genau das ist mir passiert. Aber On Top: waren auch noch 1000$ Pesos im Portmonaise mit dem Ich eigentlich die Uni zahlen wollte.
Ich hatte gerade das Geld abgehoben und bin in ein Internetcafé gegangen. Als ich zahlen wollte, war mein Portmonaise mit allen Sachen weg. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung ob ich es irgendwo liegen gelassen habe, oder ob es mir jemand gestohlen hat. Ich konnte es nicht fassen. Mein Ausweis, meine Bankkarten das Geld, alles weg!Meine Großtante hat mir immer wieder gesagt:Rebekka steck das Geld nicht alles zusammen in das Portmonaise, sondern verteile es, so kann man dir im Fall des Falles nicht alles stehlen. hätte ich mal auf Sie gehört.. Das 2. mal wo ich fast wieder ohne Portmonaise gewesen wäre, war dieses mal aber ein Raub.
Ich kam gerade vom Akrobatiktraining und war auf dem Weg nach Hause, als ich über einen Bahnübergang Mitten in Palermo am helligsten Tag gegangen ist- Palermo ist eines der sichersten Wohnorte in Buenos Aires. Doch das alles hat mir wenig genutzt. Mir kamen 2 Jungs entgegen, der kleinere um die 8 Jahre alt, der größere wahrscheinlich 17.
Ich ging also durch den Fußgängerübergang der Bahngleise wo man seitlich nicht weggehen kann, in diesen Moment kam mir der ältere Junge direkt entgegen, schnappt sich meine Tasche und will damit davon laufen.
Aber er hat die Rechnung nicht mit mir gemacht. Da er weder ein Messer noch eine Pistole etc. bei sich hatte- ich habe jedenfalls nichts gesehen- hab ich im wahrsten Sinne des Wortes um meine Tasche gekämpft. Sprich ich hatte nur noch die Träger der Tasche in der Hand und er den Rest.
Ich glaube ich hatte nur den Gedanken im Kopf: Nicht schon wieder mein Portmonaise!!! Dann kam zum Glück nach ca. 2–3 Minuten mir jemand zur Hilfe und hat den Jungen weggestoßen Er ist dann weggelaufen. OHNE meine Tasche!
Ich war nur noch völlig durcheinander und wusste weder ein noch aus.
Danach kamen immer mehr dazu und haben die zwei Jungs weggejagt. Der Kleinere hat eigentlich rein gar nichts gemacht. Ich denke eher das er wohl seinem größerem Bruder zuschauen sollte wie so etwas geht. Ehrlich gesagt, hab ich schon fast Mitleid mit denen gehabt. Als der Ältere dann noch damit anfingen mit Glasflaschen nach uns zu werfen, und die anderen mit Glasflaschen geantwortet haben, bin ich schleunigst zu dem der mir geholfen hat hin, habe mich bei ihm bedankt und bin zitternd nach Hause gelaufen mit meiner Tasche fest unter meinem Arm. Ach ja, die Polizei? Weit und breit nicht zu sehen gewesen.Ansonsten bestand mein Alltag nun darin vollzeitig zu arbeiten und 4 mal pro Woche die Schauspielschule zu besuchen. Und dann, wenn ich es irgendwie noch schaffte, zu lernen.
Es war wirklich anstrengend. Vor allem, da es in Argentinien eine seeeeehr hohe Inflation haben. Sprich, man kann förmlich dabei zu schauen wie die Preise in die Höhe gehen. Und das jede Woche. Fast schon so als würden die Preise unter sich ein kleines Wettrennen veranstalten, wer am schnellsten in die Höhe geht.Da meine Schauspielschule privat war, musste ich fast alle 2–3 Monate mehr und mehr zahlen.
Aber trotz allem das es nicht einfach war, gab es 2 Dinge die mich immer wieder aufgebaut haben.Einerseits war es die Schauspielschule selbst. Es hat mir einfach so viel Spaß gemacht mit meinen Mitstudenten neue Stücke einzuarbeiten, mehr über die Geschichte des Theaters in Argentinien zu lernen und an sich selber zu arbeiten.

Meine Gruppe von der Schauspielschule
Meine Gruppe von der Schauspielschule

Kaum kam ich aus der Uni raus, schon fühlte ich mich wieder viel besser. Andererseits war es mein damaliger Freund den Ich dort kenne gelernt habe. Er war mir einfach eine solch große Unterstützung in dieser Zeit. Und wurde nach und nach mit einer der wichtigsten Personen für mich in Buenos Aires.

Nach ca. 1,5 Jahren kam ich in eine sehr schwierige Situation.
Da ich einige Wochen in Mar del Tuyo verbracht habe, kam ich zwar mit ersparten wieder und hatte auch gleich wieder einen Job, aber ich konnte dort nur halbtags arbeiten. Und ich war dort auch nur ein paar Monate.
Somit hatte ich mehr Ausgaben als Einnahmen und es dauerte auch nicht lange bis ich absolut pleite war. Und damit meine Ich wirklich pleite.

Das war im Mai/Juni 2012. Ich hatte wirklich rein gar nichts mehr.
Das einzige Geld was Ich hatte, hab ich für die Miete gezahlt. In der Uni hatte ich Bescheid gegeben, dass ich momentan leider das Geld nicht zahlen kann. Sie waren aber sehr freundlich und meinten ich solle es zahlen wenn ich es habe.

Ich kann mich noch an Tage erinnern als Ich mein ganzes Zimmer auf den Kopf gestellt habe um irgendwo vielleicht doch noch ein paar Pesos (argen. Währung) zu finden damit Ich mir wenigstens etwas zu Essen kaufen kann. Es war nicht einfach, aber ich habe nicht aufgegeben. Und dank meines geliebten Bruder, der mir ein wenig Geld zugeschickt hat, kam Ich gerade so über die Runden.
Ich hätte auch einfach meiner Mam Bescheid geben können die mir Geld ausleihen würde für ein Ticket nach Deutschland.
Aber das wäre nicht ich gewesen. Ich habe mein ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gebetet. Darum das Ich einen Job brauche. Dringend!
Aber Gott hat mich nicht vergessen. Es ist fast unglaublich, aber im Juli hatte ich auf einen Schlag 3 Jobs gehabt! Ich hätte die drei gar nicht alle machen müssen. Alleine der Job den Ich bei Lufthansa bekommen habe, hätte mir ausgereicht.
Aber dadurch das Ich absolut nichts hatte und erstmal meine Schulden bei der Uni zahlen mussten fing ich mit allen drei Jobs fast gleichzeitig an. In dieser Zeit hab ich auch einen entscheidenden Entschluss gefasst. Es tat mir auf einer Seite weh, aber auf der anderen Seite war es richtig so.
Ich habe nach 1,5 Jahren die Schauspielschule abgebrochen.

Aber nicht aus dem Grund weil ich es nicht mehr machen will, sondern aus dem Grund das es eine private Schauspielschule war und ich wirklich sehr viel Geld, Zeit und Kraft dafür investiert habe dort zu studieren. Aber ich habe mir von den Professoren mehr Unterstützung erhofft und mir hat auch eine breitere Auswahl an Unterrichtsfächern gefehlt.
Zudem hatte ich leider öfters das Gefühl gehabt, dass einige meiner Mitstudenten nur zum Spaß dort studieren würden aber nicht weil Sie es wirklich wollen. Mir selber hat einer gesagt, das er nur auf die Schule geht, damit er ein Studentenvisum für Argentinien bekommt.
Man konnte sich leider auch nicht immer auf Sie verlassen wenn es darum ging, dass wir uns treffen um etwas einzustudieren oder zusammen zu lernen.
Und da ich durch meine Arbeit eh wenig Zeit hatte, war es manchmal echt frustrierend. Vor allem ist es auch etwas anderes, wenn man sich das Geld für ein Studium selber erarbeitet, oder wenn es von „Mama und Papa“ bezahlt wird.
Aber auch Ansicht, dafür das Ich so viel Geld dafür bezahlt habe, habe ich leider nicht all das erlernt was Ich gerne erlernen würde in einer Schauspielschule.
Somit entschloss ich mich dafür, das Ich nur noch arbeite und mit dem Geld mir andere Sachen leisten zu können die mir auch im schauspielerischen Bereich helfen.

Somit fing ich an privat Schauspielunterricht zu nehmen.

Französisch Kurs
Französisch Kurs

Ich habe Italienisch und Französisch Intensivkurse besucht und fing mit der Akrobatik an. In dem ganzen Jahr war ich wohl noch nie so müde gewesen. Da ich letzten Endes meine 3 Jobs knallhart durchgezogen habe.

Sprich, ich habe 5 Tage die Woche 9 Stunden bei der Lufthansa gearbeitet. Darüber hinaus hatte ich einen 20-Stunden Vertrag/Woche bei 1&1 (Webdesign) bei dem Ich aber meine Stunden selber einteilen konnte. Und zu guter Letzt habe ich bei Manpower als Eventkellnerin gearbeitet. Das heißt Sie haben mich angerufen, wenn es in irgendeinem Hotel ein Event gab um dort zu arbeiten. Zwischenzeitlich habe ich aber auch über Manpower in einem Hotel jedes Wochenende 4 Stunden täglich gearbeitet. Also zusammengefasst, habe ich ein 3/4 Jahr 7 Tage die Woche durchschnittlich 75 Stunden/Woche gearbeitet -davon manchmal 14 Stunden pro Tag- Oh ja, da war ich wohl ein wahrer workerholic ;)

Manchmal habe ich wirklich sehr gut Geld verdient wie damals, manchmal habe ich aber auch rein gar nichts.
Ich versuche aber immer wieder irgendwie eine mittlere Basis zu finden, was aber nicht immer einfach ist. Bereuen tue ich es aber nicht, auch wenn ich extrem viel gearbeitet habe. Es war eine neue Erfahrung.

Da ich ja bei der Lufthansa gearbeitet habe, haben wir ein seeeeehr hohen Preisnachlass bekommen was die Flüge angingen. Aber nicht nur für uns selber sondern auch für Familie und Freunde. Für die Freunde wenn Sie mit einem LH Mitarbeiter zusammen fliegen.
Und da ich meine 2 Besten aus Deutschland so sehr vermisst habe, hab ich Sie gefragt ob Sie mich denn nicht mal in Argentinien besuchen kommen wollen, und da Sie nur einen Flugrabatt bFlughafen Frankfurtekommen würden, wenn Sie mit mir fliegen würden, bin an einem Freitagabend nach Deutschland geflogen, kam Samstag an, habe Sie am Flughafen in Frankfurt getroffen und unser Rückflug ging am Samstagabend wieder zurück nach Buenos Aires! Innerhalb von einem WE 2x um die halbe Welt zu fliegen, damit meine zwei besten Freundinnen zu mir kommen können, mache Ich doch gerne =)

Letzten Endes konnten wir den Flug am Samstag aber nicht mehr antreten da der Flug voll war, so blieb ich also noch eine Nacht in Deutschland und wir flogen zusammen am Sonntag nach Buenos Aires. Aber diese Nacht hatte es in Sich! Jedenfalls für mich, denn es hatte geschneit!

Und da in Buenos Aires vielleicht alle 50 Jahre Schnee fällt hab ich mich umso mehr gefreut mal wieder alles weiss um mich zu haben.

Die beiden blieben für 10 Tage in Buenos Aires. Es tat einfach gut die zwei um mich zu haben. Die beiden sind die, die ich beim 2. Anlauf der 11. Klasse kennen gelernt habe. Und seit dem sind wir ein absolutes 3er Pack. Wir kennen uns bald schon 9 Jahre! Und von diesen 9 Jahre lebe ich nun schon bald 6 Jahre im Ausland. Aber dennoch hat es keineswegs unserer Freundschaft geschadet. Denn wenn man erstmal weg ist, merkt man wer wirklich seine wahren Freunde sind.

Es war eine wirklich schöne Zeit. Einfach seinen Freunden sein neues Leben auch richtig zeigen zu können und nicht nur immer davon zu erzählen ist nochmal was ganz Besonderes.

Als Sie dann wieder nach Hause geflogen sind, bin ich wieder mit und habe meine Familie über Ostern besucht.

Das war wohl der längste Zeitraum in den Ich meine Familie nicht gesehen habe.
1,5 Jahre..
Wiedersehen nach 1,5 Jahren @Flughafen Hamburg

Es waren 1,5 Jahre vergangen bis ich meine Familie wieder in meinen Armen halten durfte.

Der Preisnachlass für die Flüge war wohl das einzig positive bei meiner Arbeit.
Da meine Arbeit bei der LH einfach nur grauenvoll war- nicht von der Firma her sondern von der Arbeit an sich. Sie bestand darin Computerprobleme zu lösen. Sprich IT, Computer issue, software istallation, restages etc etc. wovon Ich absolut keine Ahnung gehabt habe und mich auch immer wieder gefragt habe warum die mich eigentlich eingestellt haben oder warum die mich nicht rausschmeißen würden, da ich echt nicht gut war mit dem was ich tat. Davon abgesehen fing meine Arbeitsschicht im 03:00 morgens ans. Das war echt hart.Für mich kam daher auch nach genau einem Jahr in der Firma der Entschluss, dass ich kündige. Ich habe Ihnen somit wohl die Entscheidung abgenommen, dass Sie mich kündigen ;). Weil wir alle wussten es, ich war wirklich nicht gut in meiner Arbeit, aber ich kann ehrlich gesagt auch nur gut in etwas sein, wo mein Herz mit drinnen hängt. Und das tut es bestimmt nicht in Computers.Also ging ich eines Tages zu meiner Chefin, mit der Ich auch irgendwie nie wirklich klar gekommen bin, und habe Ihr gesagt, das ich kündigen werden und weg gehe.
Sie schaut mich an, und sagt das mir das Sie sich freuen würde für mich, dass ich meinen Weg gehe und Sie mir alle gute wünscht. Aber ich konnte Ihre Gedanken förmlich heraus jubeln hören „Jaaaaaaaaaaa, Sie ist endlich weg!!! Juchuuuu, Sie hat gekündigt. :D Sie hat bestimmt diesen Tag rot in Ihrem Kalender gekennzeichnet das Ich endlich gekündigt habe. Haha.
Ich war nur froh, dass ich endlich da weg war. Es war einfach nichts für mich.Zudem hatte ich einige Monate vorher schon bemerkt das meine Zeit so langsam in Buenos Aires abgelaufen ist. Sie neigte sich dem Ende zu.Im Juli 2013 ging mein Abenteuer in Argentinien zu Ende.
Aber dieses mal bestimmte Ich das Ich gehe.
Es war eine echt interessante Zeit die Ich dort erlebt habe, schön aber auch schwierig. Aber ich bereue es keinesfalls. Und ich weiß, dass ich irgendwann dort wieder hingehen werde.
Aber wann, das weiß nur Gott.

Erstmal stand das nächste Abenteuer kurz bevor.
Es lautete Brasilien.

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