Bella Italia

Zurück in Deutschland, wurde ich nun mit reichlicher Verspätung, aber wenigstens einem Schulplatz an meiner neuen Schule aufgenommen. Ein Kapitel in meinem Leben den Ich sehr gerne weglassen würde. Meine neue Klasse machte definitiv keine Jubelsprünge als ich mich der Klasse vorstellte. Und auch meine einst gute Freundin war nicht mehr dieselbe. Ihretwegen hatte ich überhaupt diese Klasse ausgesucht. Jedoch verhielt Sie sich nicht wirklich als eine gute Freundin in der Schule. Stattdessen wurde ich eher zu einem neuen und wohl interessanten Lästergespräch von meinen Mitschülern. Ganz Ernsthaft, ich quälte mich in die Schule zu gehen. Es war grauenvoll.
Ich kam weder mit meinen Klassenkameraden klar, noch kam ich im Unterricht mit. Davon abgesehen habe ich nie wirklich vorgehabt mal auf ein Gymnasium zu gehen, geschweige denn mein Abitur zu machen. Zudem war ich zwar physisch anwesend, aber in meinem Herzen war ich weit weit weg in Argentinien.

Mit einem zerrissenem Herzen entschied ich mich dann im Dezember dazu, dass ich die Schule zum Halbjahr verlassen würde um als  Au pair nach Spanien zu gehen.
Von diesem Tag meines Entschlusses an, war ich nur noch present in der Schule aber ich habe weder Hausaufgaben gemacht noch Klausuren geschrieben. Stattdessen habe ich all meinen Lehrer über mein Entschluss in Kenntnis gesetzt.
Warum es mir dann auch immer in den Sinn kam, habe ich mich kurz vor der Zeugnisausgaben des Halbjahres, doch dazu entschlossen weiter zu machen. Angefangen mit einem Zeugnis auf dem gleich sechs 5en in ihrem ganzen Glanz um die Wette erstrahlten, zog ich nun in einen eher aussichtslosen Kampf los, der darin bestand die 5en weg zu bekommen um versetzt zu werden.

Bis ich an einem sonnigen Nachmittag im Mai draußen auf der Terrasse mit meiner Schwester und meiner Mutter saß und über mein Leben redete. Wir alle wussten es und jeder sprach es auch aus, das mit der Versetzung würde nichts mehr werden.
Ich erinnere mich noch genau daran, als ich davon sprach, dass ich gerne mal als Au Pair arbeiten würde, jedoch nicht wüsste wie und wo ich anfangen könne etwas zu finden. Eine Vermittlungsagentur war für mich ausgeschlossen, da ich neben dem fehlenden Geld auch nicht einsah, dass die so viel Geld für eine Vermittlung verlangen.
An diesem Tag war es, meine Schwester dir mir was sagte das ich bis heute nicht vergessen habe. Warum versuchst du es denn nicht wenigstens einmal etwas zu finden, bevor du gleich aufgibstUnd Sie hatte recht.

So machte ich mich im Internet auf die Suche und fand auch schon gleich eine sehr gute Seite mit der es möglich war ein Profil als Au Pair zu erstellen und damit kostenlos Familien zu kontaktieren, welche auch ein Profil erstellt hatten. Da ich ja schon ein mittelmäßiges Italienisch sprach wollte ich diese Sprache in Italien erstmal verbessern bevor ich mich weiter dem Spanischen widme.
Es dauerte nicht lange bis ich eine Familie in Italien gefunden hatte. Somit bin ich dann mit erhobenen Hauptes zu meiner Schule gegangen um ihnen mitzuteilen das ich nie mehr wiederkommen würde.

 

Bella Italia

Italien, Sardinien

Nach einem etwa 4 stündiger Flugzeit, kam ich endlich im Land der Pizzen, Eiscreme und Pasta an. Ein wahres Schlemmerparadies.

Am Flughafen wurde ich von Stefano, dem Vater meiner Au-Pair Familie in Empfang genommen. Ein großer, halbglatziger um die 40-jähriger Italiener. Nachdem wir meine Koffer verstaut haben, ging es auch schon los in die ca. 1–2 stündig entferne Stadt Ferrara.
Mit meinen gebrochenem Italienisch, Englisch, Händen und Füssen wussten wir uns auf der Fahrt schon gut zu verstehen.

Voller Neugier schaute ich aus dem Fenster. Nun war ich also in Italien. Ein neues Land in dem ich gleich ganze 3 Monate verbringen würde – das hatte ich jedenfalls zu diesem Zeitpunkt angenommen.
Als wir dann nun endlich in Ferrara und der Wohnung angekommen waren, wurde ich auch schon gleich von dem Rest der Familie in Empfang genommen.
Von der Mutter Samantha, eine mit ihrem dritten Kind schwangere Mitte 30 jährige Italienerin, und dann noch die zwei kleinen Kinder.

 

Bild 101
Vici, eine total süße kleine 2-Jährige und ihre große Schwester Margarita 4 Jahre alt. Und die hatte es faustdick hinter den Ohren wie ich es in den nächsten Wochen zu spüren bekommen habe.
Es war wirklich nicht immer einfach mit den Kindern, ich liebe ja Kinder, aber man muss schon darauf vorbereitet sein das man von der „besten Freundin“ innerhalb von nur 5 Sekunden zur „Erzfeindin“ werden kann. Aber ich glaube das Margarita in dieser Hinsicht wirklich einzigartig war.
Ich hatte eines Tages das Au pair kennen gelernt, die vor mir in der Familie war, und erinnere mich noch sehr gut an ihre Worte: Es tut mir echt leid das du auf Margret aufpassen musst, sie ist wirklich schwierig.“ Danach habe ich mich etwas beruhigter gefühlt, dass es nicht nur mir so erging.
Aber da habe ich ja die „Nonna“ noch nicht kennen gelernt…
Ich verbrachte die erste 4 Wochen mit der Familie in Ferrara bis die Ferien anfingen. Dann sind wir alle auf die wohl schönste Inseln geflogen die ich bisher gesehen habe, Sardinien.

Die Familie hatte dort ein Ferienhaus in der Nähe der Stadt Olbia. Klein aber fein. Und mit einer wunderschönen Aussicht. SardinienEs lag oben auf einem Hügel und man konnte hinunter auf das Meer schauen. Ein Traum. Und zugleich das Gegenteil von dem was mich dort erwartete.

Die Insel an sich war einfach TRAUMHAFT schön! Und das sag ich obwohl ich nicht mal alles gesehen habe, aber das was ich sah, hat mich umgehauen! Dort habe ich auch meine Leidenschaft für´s Tauchen entdeckt. Das Wasser ist so klar, und es gibt auch einige kleine Riffs mit all ihren bunten Fischen und Wasserpflanzen. Bis zum heutigen Tag ist Sardinien eine meiner Lieblingsinseln!

 

Bild 262Die Eltern sind wieder zurück auf das Festland geflogen so das ich mit den Kindern, der Cousine und den Großeltern im Ferienhaus blieb. Und ich kann nur sagen, ich habe noch nie in meinem Leben eine solch einzigartige Person kenne gelernt wie die Großmutter. Es war absolut egal was ich tat, es war immer falsch. Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, das nicht alle italienischen Nonnas so sind.. Aber ganz ehrlich, Sie war für mich eine der schlimmsten Personen die Ich je in meinem Leben kennen gelernt habe.
Ich war schon sehr nahe an dem Punkt meine Sachen zu packen und nach Deutschland zu fliegen. Diese Entscheidung wurde mir allerdings an einem Freitagabend von den Eltern abgenommen. Sie kamen wie jeden Freitag nach Sardinien geflogen um am Wochenende bei den Kindern zu sein. So auch dieses. Nur mit dem Unterschied, dass ich dieses Wochenende nicht mehr dabei sein würde. Angefangen damit das Sie bemerkt hätten das es nicht so recht klappen würde mit uns und Sie mir schon für den nächsten morgen ein Ticket für Hamburg gekauft hätten, machte ich mich auch schon gleich daran voller Wut und Freude zugleich, meine Sachen zu packen.
Freude, weil ich endlich diese Nonna nicht mehr ertragen musste und Wut, weil Sie mich nicht einmal vor gewarnt hatten das Ich wieder zurück fliege, so das ich wenigstens noch etwas Geld zurücklegen konnte für die Heimreise oder mir ein paar Mitbringsel kaufen konnte.

Aber das schlimmste kommt noch, Sie haben noch nicht einmal meiner Mutter Bescheid gesagt, dass ich nach nur 6 Wochen wieder nach Hause komme und nicht wie geplanten 3 Monaten!
Das heißt keiner wusste das Ich wieder nach Deutschland komme. Ohne Worte kann ich dazu nur sagen. Und irgendwie erinnerte mich dies alles an den Tag als meine Tante ins Zimmer kam und mir sagte das ich wieder zurück nach Deutschland musste.

Somit wurde ich zum 2. mal im Laufe eines Jahres nach Hause „geschickt“. Gott hatte was anderes mit mir vor.
Voller Erschöpfung, mit sehr wenig Schlaf und noch weniger Geld kam ich am nächsten Tag auch schon am Flughafen in Hamburg an, wo ich mir gerade mal noch ein Ticket vom Flughafen zum Hauptbahnhof kaufen konnte. Nur leider wohnte ich nicht am Hamburger Hauptbahnhof, sondern in einer kleinen Stadt namens Uelzen die 100 km von Hamburg entfernt liegt.

Ich hatte mit den letzten Cents die ich in meiner Hosentasche gefunden habe versucht meine Mutter zu erreichen, was jedoch kein Erfolg hatte. So blieb mir nichts anderes übrig als mich in den Zug zu setzten -ohne eine Fahrkarte. In meinen Gedanken quälte ich mich jedoch mit dem Gedanken Schwarz zu fahren aber mir blieb ja nichts anderes übrig.
Dennoch siegte der Gedanke.: „ Rebekka, das kannst du doch nicht machen, steig wieder aus dem Zug. Also ging ich zur Tür um wieder auszusteigen. Aber was passierte genau in diesem Moment? Richtig. Die Türen schlossen sich und der Zug fuhr los. Eingekauert in der Ecke hoffte ich darauf, dass jetzt bloß kein Schaffner kommt um die Fahrscheine zu kontrollieren. Aber da der Tag nur noch schlechter werden konnte, hörte ich auch schon im nächsten Moment eine wunderbare Stimme sagen: „Die Fahrscheine bitte“.
Was sollte ich machen? Schnell mein ganzes Gepäck nehmen und zick zack durch den Zug laufen um der Schaffnerin zu entkommen? Nein. Ich konnte einfach nicht mehr, ich war zu k.o.
So hörte ich also wie nun die Schritte der Schaffnerin immer näher kamen und ich mich am liebsten immer weiter entfernen würde. Bis Sie im nächsten Moment auch schon direkt vor mir stand.
Ich konnte ihr nur unter Tränen antworten das Ich kein Fahrschein besaß.
Sie schaute mich an, Ihr Blick wanderte weiter auf meine Sachen und antworte nur: Na, vom Urlaub zurück und jetzt kein Geld mehr, was?.
Urlaub. Wenn Sie wüsste. Ich glaube genau den hätten ich nötig nach dem ganzen Stress. Aber zu meinem Glück hab ich eine nette Schaffnerin erwischt die mich im Zug bis nach Uelzen sitzen lies.

Die nette Strafgebühr von 80 Euro gab es dennoch dazu.

 

 

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