Buenos Aires

 

Ich war gerade mal 17 Jahre alt, als ich mich auf mein großes Abenteuer aufgemacht haben.

Kaum meinen Abschluss in der Tasche, habe Ich auch schon meine Sachen gepackt und mich auf meine große Reise gewagt.

Zum ersten Mal überhaupt in einen Flugzeug, ging es alleine um die halbe Welt zu den Wurzeln meines Vater. Im Land des Asados und Dulce de Leche, Tango und Mate, im Land meiner Ahnen: Argentinien.

Ob Ich nun etwas verrückt war oder nicht, aber ich wusste schon fest zu diesem Zeitpunkt, dass ich im Ausland leben möchte – und das nicht nur für ein Jahr, sondern richtig Auswandern.
Ich kam ziemlich k.o nach einem 11 Stundenflug am Flughafen von Ezeiza an, als mich meine Tanten am Flughafen von Ezeiza, Buenos Aires in Empfang nahmen.
Voller Glück endlich in Argentinien zu sein, hatte ich noch gar keine Ahnung was alles auf mich zukommen würde…

Als Provinzei mag es wohl wie eine andere Welt vorkommen, wenn man in einer Weltstadt wie Buenos Aires ankommt.
Und es ist alles komplett anders. Nicht nur die Sprache, sondern auch die Menschen, ihr Aussehen, ihre Gebräuche, das Essen, die Zeiten, selbst die Luft.

Im Vergleich zu meiner Heimatstadt Uelzen mit ca. 34.000 Einwohner sind es in Buenos Aires Stadt fast 3 Millionen.

Zunächst musste ich mein selbst angelerntes Spanisch aufbessern und besuchte daher einen Spanisch-Intensivkurs, ich lernte die ersten Leute dort kennen und machte erste Erfahrungen mit der argentinischen Lebenskultur.

Mein langfristiger „Plan“ war es dort das argentinische Abitur zu machen.

Was Ich nun aber nach jahrelanger Erfahrung sagen kann, es kommt fast immer anders, als man es eigentlich geplant hat.

Meine Mutter lies mich mit 17 Jahren, also noch nicht mal Volljährig, natürlich nur so weit, alleine und für eine lange Zeit weggehen, weil meine Tanten zugesagt haben, dass ich bei Ihnen wohne könnte. Das war ca. ein halbes Jahr vorher. Nun war es jedoch so, dass beide damals mit ihren jeweils ersten Kind schwanger waren.

Kurz bevor Ich in Buenos Aires ankam, bekam eine meiner Tanten ihr erstes Kind. Mein süßes Cousinchen Delfina hat am 18.Juli.2006,  ca. 8 Wochen zu früh argentinische Luft geschnuppert.

Mit dieser Situation überfordert baten meine Tanten, dass ich zunächst bei meiner Abuela (Oma) bleiben könne bis sich die Situation entspannt hätte.

Nun war ich also bei meiner Abuela.

Einmal zuvor im Leben gesehen als Sie mit einer meiner Tanten uns in Deutschland besuchen kam. Ein Temperamentsbündel hoch 10! Mit ihren feuerroten Haaren und ein Mundwerk wie ein Wasserfall. Ein echtes Unikat eben.

Stück für Stück erkannte ich wie sehr ich doch ihre Enkeltochter war.

Nun verbrachte ich einige Zeit bei ihr, einige Zeit bei meiner einen Tante und einige Zeit bei meiner anderen Tante und dessen neugeborenen Tochter, bis ich zuletzt wieder bei meiner Abuela war.

Ich war gerade erst 9 Wochen in Argentinien als eines Tages meine Tante bei uns war und mit meiner Abuela sprach. Darauf hin kam meine Tante ins Zimmer mit dem Worten welche mir die Welt zusammen brechen ließen.

Für Sie waren es vielleicht nur Worte für mich wurde ein Traum zerstört: „Rebekka.., wir haben versucht eine Lösung zu finden, aber da ist leider keine. Du musst wieder zurück nach Deutschland fliegen“

Völlig irritiert und ohne Worte die das ausdrücken könnten, was ich in diesem Moment fühlte, rannte ich aus dem Haus.

Alles andere was ich in diesem Moment wollte, war es nach  Deutschland zurück zu fliegen. Ich wollte in Buenos Aires bleiben, Ich wollte weiter mein Abendteuer erleben, das Land, die Kultur und meine Wurzeln besser  kennen lernen.

In diesem  Augenblick kam mir meine Bekannte in den Sinn die ich in der Gemeinde „Rey de Reyes“ Belgrano kennen gelernt habe. Ich rief sie an und wir trafen uns. Ich erklärte ihr die Situation und hoffte sie kann mir helfen. Was sie letzten Endes auch könnte, sie hätte ein Platz wo ich erstmal hätte bleiben können.

Da ich jedoch noch 17 war, erlaubten es meine Verwandten nicht und löschten mir somit auch noch den letzten Funken Hoffnung den ich hatte. Ich verurteile meine Verwandten keines Wegs für Ihre Entscheidung, es war eine schwierige Situation für uns alle. Dennoch war es sehr schwer für mich diese Entscheidung damals zu akzeptieren.

Um wenigstens noch etwas vom Land zu sehen, entschied ich mich dazu eine kleine Reise zu machen zu den Iguazú- Wasserfällen in Misiones, Nordargentinien. Die Reise dauerte ca. 10 Tage.

Wasserfälle von Iguazú- Brasilien
Wasserfälle von Iguazú- Brasili

Ich hatte nicht mehr wirklich viel Geld, jedoch war mir diese Reise sehr wichtig, denn wer weiß wann ich je wieder kommen würde.

Mit dem Bus ging es los hoch in den Norden nach Misiones. Nachdem wir Buenos Aires hinter uns gelassen haben, zeigte Argentinien sein wahres Gesicht. Und zwar nichts. Weit und breit war nichts außer Landschaft. Wer also mal eine Auszeit von der Welt braucht, ist dort gut aufgehoben ;).

Die Fahrt war sehr lang und anstrengend, aber dennoch war ich in einer sehr guten Gesellschaft mit den Mitreisenden. Von jung bis Alt war alles dabei.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als wir bei einem Stopp mitten in der Pampa an einer uralten Tankstelle gehalten haben. Das diese überhaupt noch in Takt war mir ein Rätsel
Es war schon am Abend als wir dort anhielten. Geschafft von der langen Fahrt, haben wir uns dort auf dem Boden gehetzt und Maté getrunken.
Matetee ist ein sehr traditionelles Getränk in Argentinien und Uruguay. Ich kenne sehr viele Leute, die ohne Mate kein Tag überleben könnten! Man sagt aber das die Menschen in Uruguay noch extremer sind. Dort laufen, ob jung oder alt, alle durch die Gegend- in einer Hand den Matebecher und in der anderen Hand eine Kanne mit heißem Wasser.

Leider reichte mein Spanisch damals nicht ganz aus um alles zu verstehen was von der Reiseleitung kam, wann wir uns wo treffen würden etc. So das Ich wohl teils echt verloren gegangen wäre, hätte ich nicht unter den mitreisenden ein Mädel getroffen, welche einen Deutschen Pass bei sich hatte. So ging ich auf Sie direkt zu und kam mit Ihr gut ins Gespräch. Da Ihr Spanisch damals sehr viel besser war als meins, konnte Sie mir alles genau übersetzen.
Des Weiteren habe ich die Erfahrung machen dürfen das man in Argentinien als Ausländer einiges auf die Eintrittspreise in Parks und Touristenattraktionen drauf zahlen muss als argentinische Staatsbürger. Und da ich meine argentinische Staatsbürgerschaft leider nicht habe, musste ich bei einigen Sachen sehr viel tiefer in die Tasche greifen als die Argentinier.
Ganz nach dem Motto: Touristen haben Geld.

Dennoch hat sich die Reise gelohnt. Die Wasserfälle von Iguazú und auch die Ruinen von San Ignacio, welche auf dem Weg lagen, kann ich nur wärmstens empfehlen. Die Wasserfälle sollte man sich am besten von beiden Seiten anschauen. Von Argentinien und von Brasilien aus. Denn meiner Meinung nach sind sie sehr unterschiedlich.

Als ich dann im Flugzeug saß, auf dem Weg zurück nach Deutschland, und mit vielen Tränen in den Augen habe ich mich wohl noch nie sooft die eine Frage gestellt: Warum. Warum Gott, ich verstehe es nicht. Warum muss ich wieder zurück?!

Das war das einzige Mal in meinem Leben wo ich an Gott zweifelte.
Es heißt ja, Gottes Wege sind unergründlich und auch wenn ich es in diesem Moment noch nicht verstand, Gott hatte einen anderen Weg für mich geplant.

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